Das unzerstörbare System – ein virtualisiertes Ubuntu Schritt für Schritt erklärt – Teil 4

In den Teilen Eins, Zwei und Drei der Anleitung über ein virtualisiertes Ubuntu haben wir VirtualBox und eine virtuelle Maschine mit Ubuntu installiert, konfiguriert, aktualisiert und per Snapshot gesichert. Wir sitzen nun fest im Sattel und können mit dem System ohne Angst vor Bedrohungen aus dem Internet surfen.
Im vierten und letzten Teil der Serie gehe ich ein wenig auf die Benutzung von Ubuntu und das Arbeiten in der virtuellen Maschine ein.

In dem Abschnitt kümmern wir uns um

  • wie viel Arbeitsspeicher wir brauchen,
  • den Darstellungsmodus, im Speziellen den “Vollbildmodus”,
  • Einstellen des Hintergrundbilds,
  • Starten von Firefox und Finden des Menüs “Einstellungen” und
  • “Autostart” von Firefox direkt beim Anmelden…

Gehen wirs an:

Wie viel Arbeitsspeicher braucht mein virtuelles Ubuntu gerade?

Um später den korrekten Wert in den Optionen von VirtualBox einstellen zu können, müssen wir natürlich wissen, wie viel RAM unser virtuelles System gerade verbraucht. Dazu liefert Ubuntu glücklicherweise ein Tool mit: Die Systemüberwachung.

Virtual Box Ubuntu Benutzung - Systemüberwachung startenVirtual Box Ubuntu Benutzung - die SystemüberwachungÜber die “Dash-Startseite” der Sidebar gelangen wir zur Eingabezeile. Dort tippen wir “sys” und wählen die Systemüberwachung per Mausklick aus.
Mit der Systemüberwachung können wir uns die CPU-, Speicher- und Netzlast des Systems ausgeben lassen. Wir stellen fest, dass unser Ubuntu im “Leerlauf” nicht mal 350 MB RAM braucht. Das ist nicht viel. Allerdings erhöht sich das sprunghaft, wenn wir mit Firefox einige Tabs gleichzeitig auf haben. Es kann also nicht schaden, die Systemüberwachung einmal im Hintergrund bei einer normalen Surf-Session laufen zu lassen und nachzusehen, ob man mit 768 MB Arbeitsspeicher auskommt, oder der Wert in VirtualBox erhöht werden muss.

Arbeiten mit den Darstellungsoptionen der virtuellen Maschine

Für die virtuelle Maschine gibt es verschiedene Darstellungsoptionen. Diese sind

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Die Anzeigemodi von VirtualBox* Fenstermodus – skaliert
* Fenstermodus – maximiert
* Vollbild
* Nahtlos

 

Wenn wir unsere VM mit Ubuntu starten, haben wir bis jetzt im skalierten “Fenstermodus” gearbeitet. Ubuntu stellt sich auf eine Auflösung von 1024 x 768 Punkten ein. Dieses Fenster wird dargestellt. Neu und jetzt durch die Gasterweiterungen möglich ist die Verwendung der flexiblen Auflösung: Zieh einfach am Fenster und die Auflösung des Desktops wird individuell angepasst.
Vorteil: Du kannst schnell zwischen Windows und Ubuntu hin und her wechseln.
Nachteil: Das Fenster ist etwas klein.

Wenn Du das Fenster der VM maximierst, hast Du auf alle Fälle schon mal mehr Desktop zur Verfügung. Allerdings stört die Menüzeile von VirtualBox…

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Die Menüzeile von VirtualBox im VollbildmodusDen Modus, den ich empfehle, ist der “Vollbildmodus”. Ihn erreichst Du über den Punkt “Anzeige” in der Menüleiste von VirtualBox. Dort wählst Du den Unterpunkt “Vollbildmodus einschalten”. Jetzt erstreckt sich der komplette Desktop über den Schirm und es fühlt sich so an, als würde man wirklich rein in Ubuntu arbeiten, ohne Host-System.
Um das Menü von VirtualBox im Vollbildmodus aufzurufen, musst Du mit der Maus an die Mitte der Unterkante des Bildschirms fahren, dann klappt eine Menüleiste auf, in der Du wie gewohnt die Einstellungen von VirtualBox erreichen kannst.

Ubuntu Systemeinstellungen und “Darstellung”

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Systemeinstellungen startenVirtualBox Ubuntu Benutzung - SystemeinstellungenIn der Sidebar kannst Du mit dem Schraubenschlüssel-Symbol die “Systemeinstellungen” öffnen. Dort findest Du viele Programme, die sich um die Einstellung eines speziellen Aspekts von Ubuntu kümmern. Hier zeige ich kurz, wie man den Hintergrund ändert. Gehe dazu bitte auf die Option “Darstellung”.

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Systemeinstellung / DarstellungIst die Darstellung offen, kannst Du einfach per Klick auf ein Icon den Hintergrund wechseln. Einfacher geht es fast nicht :)

Firefox starten und konfigurieren

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Firefox startenDu findest Firefox fast ganz oben in der Sidebar. Das zeigt, welchen Stellenwert der Browser mittlerweile in einem Betriebssystem hat…
Du kannst mit Firefox ‘normal’ arbeiten, wie Du es aus Windows gewohnt bist. Möchtest Du Dir mehrere Startseiten einrichten, die als Tab aufgehen, oder Schlagworte für Links vergeben, empfehle ich Dir den Artikel über “Firefox Startseiten und Multi-Tab Lesezeichen setzen“.
VirtualBox Ubuntu Benutzung - Das Menü "Einstellungen" von Firefox unter UbuntuEin echter Unterschied ist allerdings die Platzierung des “Einstellungen” Menüs. In Windows liegt der Punkt unter “Extras”, in Ubuntu hat man ihn unter “Bearbeiten” gesetzt.

“Autostart” für Firefox unter Ubuntu

Da wir die virtuelle Maschine eigentlich nur zum Surfen benutzen wäre es schön, wenn sich Firefox bei der Anmeldung automatisch starten würde. Unter Windows gibt es dafür den “Autostart”. Ubuntu hat das gleiche in Gelb, nur heißt es hier “Startprogramme”. Und so fügst Du Firefox zu den Startprogrammen hinzu:

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Startprogramme öffnenDu öffnest die Startprogramme mit einem Klick auf das Power-Symbol oben rechts und dann über den Kontext “Startprogramme…”

 

 

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Startprogramme geöffnetDas Fenster mit den Startprogrammen ziehst Du dann bitte nach unten rechts auf den Desktop.

 

 

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Firefox zu den Startprogrammen hinzufügenNun klickst Du auf die “Dash-Startseite” in der Sidebar und tippst “fir” in die Zeile ein. Daraufhin wird uns das Symbol von Firefox unterhalb der Eingabezeile angezeigt.
Jetzt klickst Du auf das Firefox-Symbol, hältst die Maustaste gedrückt, ziehst das Symbol über das “Startprogramme” Fenster und lässt dann die Maustaste los (= “Drag & Drop”). Fertig!

VirtualBox Ubuntu Benutzung - Firefox zu den Startprogrammen hinzugefügtWie Du siehst, wurde Firefox erfolgreich zu den Startprogrammen hinzugefügt und lädt beim nächsten Neustart automatisch.

Zeit für eine weitere Tasse Kaffee, einen neuen Snapshot und das Fazit ;)

Fazit

Mit zwei kostenlosen Programmen hast Du ein unzerstörbares System installiert, in dem Du Dich weder vor Viren, noch Trojanern und dem ganzen anderen Getier der Virenschreiber fürchten musst.
Das ist auch ein klasse Weg, sich Ubuntu mal ein wenig anzusehen, wenn man mit Linux noch nie was gemacht hat. Denn natürlich kann unser Ubuntu mehr, als nur einen Browser zu starten…
Spiel ein wenig mit dem System und mache Dich damit vertraut. Kaputt machen kannst Du nichts. Wenn Ubuntu wirklich nicht mehr starten sollte, setze das System auf den letzten Snapshot zurück und schon funktioniert es wieder!

Jeder hat andere Anforderungen an seine Arbeitsumgebung, deshalb kann ich hier keine allgemeingültigen Tipps geben. Beschämt muss ich auch zugeben, dass ich nicht unbedingt ein “Linux-Crack” bin. Wenn es Fragen oder Probleme zu Ubuntu gibt, verweise ich gerne an die deutschsprachige Community “Ubuntuusers“, die mir schon bei dem einen oder anderen Problem helfen konnten.

Ich hoffe, das Tutorial hat euch gefallen und ihr konntet es auch umsetzen. Sollte was nicht geklappt haben oder ein Punkt unklar sein, bitte eine Mail an mich, damit ich die “Kanten rund schleife”…
Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Surfen ohne Angst in Deiner virtuellen Maschine!

Nachtrag / Achtung / Vorsicht!

Ist mir gerade noch eingefallen… Was unser virtuelles System NICHT kann:
So unangreifbar die virtuelle Umgebung gegen Viren und Trojaner auch immer sein mag, gegen Phishing oder das Abgreifen von IP-Adressen ist sie machtlos!
Das bedeutet im Klartext:

  • Wenn Du mit dem System urheberrechtlich geschütztes Material tauschst, bist Du genau so fällig wie sonst auch, weil das virtuelle System nicht Deine öffentliche IP-Adresse vernebeln kann.
  • Das Selbe gilt natürlich auch für Verleumdungen in Foren oder lustiges Spaßkaufen in Onlineshops!
  • Gibst Du Deine Passwörter / Kreditkartennummern / TANs an dubiose Seiten raus, hat es Dich genau so erwischt wie unter Windows. Zaubern kann eine VM nicht…

Hältst Du Dich aber an einige einfachen Grundregeln beim Surfen im Netz, kann eigentlich nichts schief gehen ;)

Kommentare

  1. Kolibri meint

    Vielen, vielen Dank für diese genial Schritt-für-Schritt Anleitung. War genau das, was ich gesucht hatte.

    Gruß,
    Kolibri

  2. Gerhard Horni meint

    “Unzerstörbar”
    ORLY?
    Da gehörtschon ein bissl mehr dazu.

    Abgesehen davon ein schöner Guide. Für Leute die keinen Plan haben.

    • Peter Fiedler meint

      Es müsste für jeden Privatanwender mehr als reichen. Und wie “sicher” die Firmen sind, sieht man eindrucksvoll an den Hacks der letzten Jahre.

      Abgesehen davon, wer hat denn überhaupt “Plan”? Jeder normale Anwender möchte mit seinem Computer arbeiten und nicht erst acht Semester Informatik studieren :)

  3. Tim meint

    Genau so eine Anleitung habe ich gesucht! Perfekt! Die Installation werde ich demnächst ausführen.
    Aber eine Frage hätte ich noch. Kann ich Thunderbird unter Ubuntu problemlos installieren? Theoretisch wären die Emails nach einem Reset auf einen früheren Snapshot dann ja auch weg. Wie löse ich dieses Problem?

    • Peter Fiedler meint

      Hallo Tim,
      danke für die Blumen :)
      Leider ist das von Dir beschriebene Szenario nicht so einfach umzusetzen. Ich benutze diese Umgebung nicht produktiv, dann ist es egal, wenn man sie zurücksetzt. Alternativ kannst Du ein Laufwerk von außen einbinden, auf das dann die Daten geschrieben werden, die sich bei einem Zurücksetzen nicht ändern sollen. Dazu müsstest Du aber in Thunderbird alle Pfade zum Konto manuell anpassen… Oder, wenn es Dein Mailprovider zulässt, rufe die Mails per IMAP Protokoll ab, da verbleiben sie auf dem Server des Anbieters und werden bei einem Reset nicht erfasst.

      Wie gesagt, ich würde dieses System nur zum Surfen nehmen, oder die Mails per IMAP abrufen.
      Einen Guten Rutsch!
      Peter.

  4. Michael meint

    Hi,
    vielen Dank für die tolle Anleitung. Eine Frage hätte ich noch. Da ich mit Ubuntu ausschließlich surfen möchte, wäre da ein reines starten als Live-System (also von CD) nicht genauso sicher, wie das Starten in einer virtuellen Maschine? Oder gibt es da Unterschiede?

    Grüße
    Michael

    • Peter Fiedler meint

      Hallo Michael,

      Du kannst natürlich auch mit einem Ubuntu Live-System arbeiten, das macht prinzipiell keinen Unterschied. Allerdings musst Du dafür den Rechner neu booten.
      Die virtuelle Lösung kannst Du parallel zu einem laufenden Windows System starten und quasi “nebenbei” schnell was nachsehen.

      Beste Grüße,
      Peter.

  5. hartmut schubert meint

    Hi komme finde das system echt klasse, jedoch komme ich nicht mit den 8GB festplatte kapazität aus und würde dies gerne erweitern auf 20 GB. doch wie funktioniert das?
    Bitte um eine schritt für schritt anleitung. Danke schonmal im voraus =)

    Gruß Hartmut

  6. Andreas meint

    Hallo,

    ich habe mir zum sicheren Surfen eine VM wie von Dir sehr gut beschrieben eingerichet. Aber ich stelle fest, dass man in der VM offenbar nicht (ohne weiteres?) auf den WLAN-Adapter zugreifen kann. Das heißt, ich muss mich dann doch wieder über das Windows-Host-System über WLAN mit dem INternet verbinden, um in der VM Internet zu haben. Ist das dann wirklich sicherer als gleich alles über Win zu machen?
    Gruß
    Andreas

    • Peter Fiedler meint

      Hi Andreas!
      Das Netzwerk wird quasi durch Windows “durchgeschliffen” und das ist beim kabelgebundenen genau so wie beim kabellosen.
      Der Trick und das, was die VM sicherer macht ist, dass normale Viren und Beifang beim Surfen – gerade in unsicheren Umgebungen – unter Linux keinen Schaden anrichten können, da sie nicht zur Ausführung kommen. Die wurden nämlich alle für Windows geschrieben. Und selbst wenn die VM Schaden nimmt, kann man sie per Mausklick wieder auf einen alten Snapshot zurücksetzen.
      Windows stellt der VM also die Hardware zur Verfügung, wird aber nicht kompromittiert. So jedenfalls wurde es mir erklärt :)
      Liebe Grüße, Peter.

  7. Petra meint

    Hallo, wirklich sehr gut erklärt. Danke. Jetzt hab ich Ubuntu 13.1o Saucy Salamander neben Windows (höhö) und es läuft wie geschmiert. Bin begeistert!

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