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Das unzerstörbare System – ein virtualisiertes Ubuntu Schritt für Schritt erklärt – Teil 1

Am Anfang war das Virus! Daraus entwickelten Cracker dann immer ausgefeiltere Würmer, Trojaner, Hijacker, Dropper/Rootkits oder Scareware – und es wird in Zukunft eher schlechter als besser. Man muss sich momentan als Surfer im Internet so bewegen, wie ein Soldat im Kampfeinsatz: Geduckt, gepanzert und immer auf der Hut, weil hinter jeder Ecke das Verderben lauert…

Mit vergleichsweise geringem Aufwand und einer kleinen Umstellung kann man sich aber wirkungsvoll vor diesen Gefahren wappnen: Mit einem unzerstörbaren System! Die Virtualisierung machts möglich, und die hier vorgestellten Programme kosten kein Geld, sondern nur etwas Zeit…

Virtualisierung – was ist das? Warum brauche ich so was?

Kommen wir erst mal zur Begriffsklärung:
Bei der Virtualisierung gibt es

  • Die Virtualisierungssoftware, hier “VirtualBox” von Oracle,
  • ein “Host-System”, den Gastgeber,
  • ein “Guest-System”, den Gast (auch ‘virtuelle Maschine’ oder kurz ‘VM’).

Der Gast benutzt die Hardware des Hosts, der sie über die VirtualBox zur Mitbenutzung zur Verfügung stellt. Allerdings wird scharf begrenzt, was der Gast darf und was nicht. Das Gast-System ist vom Host entkoppelt und kann ihm so nicht schaden.

Ich gehe mal davon aus, dass Du als Betriebssystem ein Windows benutzt. Windows wird also unser Host. Als Gast wählen wir ein Ubuntu, weil Linux von Haus aus ein harter Knochen ist und die Virenschreiberlinge es (noch!) sträflich vernachlässigen. Ein Trojaner, der für Windows konzipiert ist, wird unter Linux nicht funktionieren und ins Leere laufen. Damit schützen wir uns schon automatisch vor 99% der Gefahren aus dem Netz. Gegen das letzte eine Prozent sichern wir uns mit der Virtualisierung ab.

Man kann in VirtualBox Wiederherstellungspunkte setzen, sogenannte “Snapshots”. Funktioniert das Ubuntu aus irgend einem Grund nicht mehr richtig, kann man das komplette System mit ein paar Mausklicks auf einen dieser Punkte zurücksetzen. Dann läuft es wieder, als wenn nichts geschehen wäre.
Apple nennt ihr Backup-System, das ähnlich funktioniert, “Time-Machine”. Eine treffende Bezeichnung, denn ähnlich einer Zeitmaschine kann man damit in der Zeit zurück reisen und der verhängnisvollen Aktion ausweichen, wenn man ihr wieder gegenübersteht.

Aber grau ist alle Theorie! Um die Funktionsweise dieses virtuellen Systems bildlich zu erfahren bitte ich Dich, das folgende 22-Sekunden-Video anzusehen: “Small but tough“.
Um genau diesen Effekt geht es bei der Übung: Das virtuelle Ubuntu ist in dem Beispiel der Polo, Windows wäre das Café und der Terrorist ein Virus / Trojaner.
Selbst wenn er es schaffen sollte, das virtualisierte System zu befallen, bleibt das Windows Host-System unangetastet, denn die “Explosion” wird vom virtuellen Ubuntu geschluckt. Ziemlich cool, oder?

Wir installieren das System – Schritt für Schritt

Zwei Voraussetzungen sollte ich noch erwähnen:

  • Dein PC muss “Virtualisierung” unterstützen und im BIOS aktiviert haben,
  • Du brauchst etwa 10 GB freien Festplattenspeicher.

Nach der Theorie folgt nun die Praxis… Das hier wird ein wenig länger dauern; je nach Maschine und Internetanbindung tippe ich auf ein bis zwei Stunden. Ist es aber vollbracht, hast Du ein virtuelles Ubuntu installiert, das quasi unbesiegbar ist und in dem Du nach Herzenslust surfen kannst, ohne Angst vor Viren und Trojanern!

Alle Bilder in der Anleitung sind klickbar und bieten einen Screenshot von der Aktion, die gerade durchgeführt werden soll. Damit kannst Du schnell sehen, welchen Menüpunkt oder welche Option ich meine, die ausgewählt oder angehakt werden soll. Also im Zweifel einfach mal ein Bild anklicken :)

Was wir jetzt in Teil 1 machen werden:

  • Beschaffung der Software: Die benötigten Programme laden,
  • Installation von VirtualBox,
  • Anlegen und Konfigurieren einer virtuellen Maschine.

Und los gehts:

Schritt 1 – Beschaffung der Software

Verzeichnis virtualLege auf Deinem System einen Ordner an, in dem später alle Dateien für die Virtualisierung zusammengefasst werden. In dem Ordner kannst Du auch gleich einen Unterordner erstellen, den Du “ubuntu-snapshots” taufst.

 

Danach musst Du VirtualBox und ein Ubuntu-Image laden:

virtualbox.org DownloadDownload VirtualBox:
https://www.virtualbox.org/wiki/Downloads

 

 

Ubuntu DownloadDownload Ubuntu:
http://www.ubuntu.com/download/ubuntu/download

 

 

Bei VirtualBox lädst Du den aktuellen Windows-Client (momentan 4.1.6), bei Ubuntu die aktuelle Version für den Desktop in 32 Bit (hier 11.10). Die beiden Dateien kannst Du in dem Ordner ablegen, den Du für die Virtualisierung auf Deinem Computer angelegt hast.

Schritt 2 – Installation von VirtualBox

VirtualBox installierenDie Installation von VirtualBox ist nicht weiter tragisch. Einfach die heruntergeladene Setup Datei ausführen und die Dialoge mit “Next” bestätigen.

 

 

VirtualBox Setup - Gerätetreiber installierenNach dem Kopieren der Programmdateien installiert VirtualBox Treiber, mit denen die virtuellen Maschinen Zugriff auf die Hardware des PCs bekommen. Dies muss man manuell bestätigen. Am besten dazu die Option “Software von ‘Oracle Corporation’ immer vertrauen” anhaken und dann auf “Installieren” klicken. Ist der Vorgang abgeschlossen, kann man VirtualBox über das Desktopsymbol starten.

 Schritt 3 – Anlegen einer virtuellen Maschine

VirtualBox nach dem ersten Start - Erstellung einer neuen MaschineUm VirtualBox wirklich benutzen zu können, muss man erst mindestens eine virtuelle Maschine anlegen. Dazu klickst Du oben links auf den Button “Neu”.

 

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - BegrüßungsbildschirmJetzt öffnet sich ein Installationsassistent, der uns beim Anlegen der virtuellen Maschine begleitet. Wir starten den Prozess mit einem Klick auf “Weiter”.

 

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - Namen und Typ festlegenIm ersten Eingabefenster geben wir den Namen und den Typ der virtuellen Maschine ein. Schreibt man beim Namen “Ubuntu”, wird der Typ automatisch auf “Linux – Ubuntu” eingestellt.

 

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - festlegen der ArbeitsspeichergrenzeAls nächstes werden wir nach der Größe des Arbeitsspeichers gefragt, den wir der virtuellen Maschine von unserem Host aus maximal zur Verfügung stellen wollen. 512 MB sind als Standard voreingestellt, ich habe hier geringfügig auf 768 MB erhöht.

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - Virtuelle FestplatteJetzt geht es um das Erstellen einer virtuellen Festplatte, in welche die virtuelle Maschine später hinein installiert wird. Wir wählen per Haken eine “Bootfestplatte” mit der Option, eine neue Festplatte zu erzeugen.

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - Typ der virtuellen FestplatteEs folgt die Wahl des Dateityps der virtuellen Festplatte. Hier lassen wir die Voreinstellung “VDI – VirtualBox Disk Image” und bestätigen den Dialog mit “Weiter”.

 

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - Art der virtuellen FestplatteAus Performance Gründen stellen wir die Art der virtuellen Festplatte von “dynamisch” auf “feste Größe” um. Das hat den Vorteil, dass die virtuelle Festplatte nicht ‘fragmentiert’, also nicht quer über die ganze Festplatte verteilt geschrieben wird, sondern eine Datei ‘am Stück’ bleibt.

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - Lage und Größe der virtuellen FestplatteEntscheiden wir uns nun für den Speicherort und die Größe der Datei. Den Speicherort stellen wir auf unser “virtual”-Verzeichnis um; die Größe kann bei 8 GB belassen werden.

 

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - Bestätigen und ErzeugenEs folgt eine Zusammenfassung der gesammelten Daten zum Erstellen der virtuellen Maschine. Wenn alles passt, kann man mit einem Klick auf “Erzeugen” die Image-Datei der virtuellen Festplatte anlegen lassen.

 

VirtualBox - neue virtuelle Maschine - Erstellung läuft...VirtualBox beginnt nun mit dem Erstellen der Datei. Das hat hier auf einem Core-2-Duo mit 2,4 GHz. um die fünf Minuten gedauert.

Nachdem der Vorgang abgeschlossen ist, taucht die virtuelle Maschine “Ubuntu” im Hauptmenü von VirtualBox auf.

 

Schritt 4 – Konfigurieren der virtuellen Maschine

Die Standardeinstellungen zur virtuellen Maschine sind noch nicht optimal auf Geschwindigkeit ausgelegt. Hier sollten wir noch Hand anlegen.
Außerdem müssen wir das CD-Image von Ubuntu als virtuelles CD-ROM in die Maschine einhängen, um später davon installieren zu können.
Aber all das ist kein Hexenwerk und mit wenigen Mausklicks erledigt:

VirtualBox Optionen - "Ändern" anklickenUm die Optionen der virtuellen Maschine zu öffnen, muss man im Hauptmenü von VirtualBox die VM “Ubuntu” auswählen und in der Symbolleiste auf den Punkt “Ändern” klicken.

 

 

VirtualBox Optionen - Allgemein ErweitertFangen wir unter dem Menüpunkt “Allgemein” im Reiter “Erweitert” an: Hier stellen wir den Ort für die Snapshots ein. Den setzen wir auf den Ordner “ubuntu-snapshots” in unserem “virtual”-Verzeichnis.
Außerdem entfernen wir den Haken bei “Gebundene Medien merken”, damit virtuelle Laufwerke nicht bei jedem Start automatisch eingebunden wenden, sondern nur, wenn wir dies wirklich möchten.

VirtualBox Optionen - System HauptplatineKommen wir zum System-Menü. Hier stellen wir beim ersten Reiter – “Hauptplatine” – ein, wie viel RAM der virtuellen Maschine maximal zugewiesen werden soll. Das kann man später mal anpassen, wenn man merkt, dass die 768 MB nicht ausreichen sollten.
Bei “Boot-Reihenfolge” entfernen wir den Haken bei “Diskette”.
“Chipsatz” stellen wir von “PIIX3” auf “ICH9” um. Der ICH9 ist ein relativ neuer Chipsatz, dessen Emulation bei einem aktuellen Betriebssystem einige Vorteile bringt. Auch unser Ubuntu sollte davon profitieren.
Um mehr als eine CPU in der virtuellen Maschine zu benutzen, müssen wir bei der Option “IO-APIC aktivieren” einen Haken setzen.

VirtualBox Optionen - System ProzessorWechseln wir zum Reiter “Prozessor”. Hier stellen wir die Anzahl der Kerne ein, welche die virtuelle Maschine mitbenutzen darf. Zwei sollten es schon sein. Außerdem könnte man die maximale Auslastung der CPUs beschränken, was aber bei einem normalen System nicht nötig ist.

 

VirtualBox Optionen - AnzeigeKümmern wir uns nun um die “Anzeige”: Hier wählen wir Optionen für die Grafikkarte aus. Wir stellen den Grafikspeicher auf 64 MB. Außerdem setzen wir einen Haken bei “3D-Beschleunigung aktivieren”.
Die “2D-Beschleunigung” kann man nur mit einem Windows Gast-System nutzen, daher bleibt sie deaktiviert.

 

VirtualBox Optionen - MassenspeicherLast but not least hängen wir jetzt das Ubuntu-ISO als virtuelles CD-ROM Laufwerk in die VM ein: Dazu wechseln wir zum Menüpunkt “Massenspeicher”, wählen unter “IDE-Controller” den Punkt “leer”. Dort erst mal in den “Attributen” bei “Live-CD” einen Haken setzen. Dann neben “CD/DVD-Laufwerk” / “Sekundärer Master” auf das kleine CD-Symbol (ist recht versteckt…) klicken. Nun klappt ein Kontext-Menü aus, in dem wir “Datei für virtuelles … Medium auswählen” anklicken. Jetzt öffnet sich eine Auswahlbox, in der wir in unser virtual-Verzeichnis wechseln und auf das Ubuntu-ISO doppelklicken, um es damit auszuwählen.
VirtualBox Optionen - Massenspeicher SATA-ControllerWenn Du weniger als 12 GB Hauptspeicher in Deinem Computer hast, bitte noch schnell “SATA-Controller” anklicken und rechts bei “Attribute” den Haken von “Host I/O-Cache verwenden” entfernen.

 

Mit einem Klick auf “OK” speicherst Du die Voreinstellungen und wir sind bereit für die Installation von Ubuntu…

Ausblick

VirtualBox ist fertig installiert und konfiguriert.
In Teil 2 installieren wir ein Ubuntu Linux, in dem wir in Zukunft sicher surfen können!

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6 Kommentare

  1. Hallo,

    ich bin gerade dabei, mir mit den Beschreibungen aus den Teilen 1 bis 4 von “Das unzerstörbare System-ein virtualisiertes Ubuntu Schritt für Schritt erklärt” ein virtuelles System zu basteln. Mir fällt aber auf, dass in Teil 1 nirgendwo auf die die Extension Packs hingewiesen wird. Und die sollen doch angeblich wesentlich für die Installation sein. Waren diese Extension Packs damals, als die Teile 1 bis 4 erstellt wurden, noch nicht notwendig und wenn es so wäre, an welcher Stelle bei der Installation kämen die jetzt ins Spiel? Ich habe mir eine VirtualBox 4.3.20 r96997 und ein passenden Oracle_VM_VirtualBox_Extension_Pack-4.3.20.vbox-extpack heruntergeladen.

    Gibt es für mein Problem noch eine Unterstützung?

    P.S

    1. Hallo Peter,
      meinst Du die “Gasterweiterungen”? “Extension Packs” sagt mir jetzt nicht wirklich was. Vor ein paar Monaten habe ich erst ein VM-System aufgesetzt. Also zur Installation sind die bestimmt nicht nötig.
      Die Gasterweiterungen kümmern sich ein wenig um die Darstellung und die Zwischenablage von Host und VM. Direkt nötig für den Betrieb sind sie nicht.
      Du kannst die Gasterweiterungen zum Schluss nachinstallieren. Oben im Menü auf “Geräte” und ganz unten “Medium für Gasterweiterung einlegen” auswählen. Unter Ubuntu kommt dann ein Dialog, mit dem Du die Erweiterungen installieren kannst.
      Liebe Grüße, Peter.

  2. Hallo,

    mein Versuch, auf einer bestehenden Oracle VM Ubuntu zu installieren, ist an einer fehlenden Eigenschaft der virtuellen CPU gescheitert.
    Nach dem Start der VM erscheint folgende Fehlermeldung:

    This kernel requires the following featuresnot present on the CPU:
    pae
    Unable to boot – please use a kernel appropiate for your CPU.

    Die VM (Version 4.2.10 r84104) ist installiert auf einem Windows 8 32-Bit, das PAE nicht unterstützt.
    Die heruntergeladene Ubuntu-Version ist 13.04-desktop-i386. Ich bin davon ausgegangen, dass die 32-Bit-Version PAE nicht benötigt, aber dem ist wohl nicht so. Gibt es eine Version mit einem Kernel ohne PAE oder kann ich Einstellungen an der VM so ändern, dass die Installation startet?
    Jetzt schon vielen Dank für die Unterstützung!

    Viele Grüße

    H. A.

  3. Hallo, bin beim stöbern auf ihren Artikel gestoßen. Da ich gerade einen neuen Pc
    aufbaue, mit Win7 und einem ITX-Board von ASUS, kommt mir aus Sicherheits-
    gründen (Online-Banking) Ihr Artikel zu Gute. Allerdings im Teil 1, Schritt 4,
    Virtualbox-Optionen-6, heißt es: Wählen unter IDE-Controller den Punkt “leer”
    Muß nicht der SATA-Controller bei einem Sata-Board gewählt werden ?

    Mit freundlichen Grüßen
    J.M.

    1. Hallo J.M.!
      Es ist in der Tat die Option beim IDE-Controller zu wählen. Der “IDE-Controller” steht in dem Fall auch ‘nur’ für ein virtuelles CD-ROM-Laufwerk, das wir mit dem Inhalt einer Ubuntu Setup-CD füttern. Daher auch das CD-Symbol neben dem Wort “leer”.
      Beim SATA-Controller geht es um die Verwaltung des Festplattenspeichers, auf den das virtuelle Ubuntu später zugreift. Dort verbleibt die voreingestellte Datei.

      Das ist wirklich alles ein wenig verwirrend, aber wenn Du Dich strikt an die Abfolge aus dem Tutorial hältst, sollte die Installation eigentlich klappen :)
      Beste Grüße, Peter.

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