Computer Praxis | Der optimale PC | PC 2015

Werkzeug zum PC-Bau

Denke immer darn:

Heb‘ niemals ab vom Acker, ohne Deinen Tacker! – (HotShots)

Aber Scherz Beiseite…
Um einen PC zu bauen, brauchst Du nicht viel Werkzeug. Allerdings sollte das dann schon etwas taugen. Da macht die Arbeit gleich deutlich mehr Spaß :)
In diesem Artikel zeige ich Dir mein Werkzeug, und wofür es benutzt wird…

Schraubendreher aus dem Baumarkt haben ihren Reiz. Sie sind schön billig. Und wenn Du nur einen einzigen Rechner zusammenschrauben möchtest, werden sie auch sicher reichen.

Solltest Du jedoch nach Höherem streben, so lege ich Dir dringend ans Herz, vernünftiges Werkzeug zu kaufen:

  • Werkzeug, mit dem Du noch viele Jahre lang Deine Maschinen warten wirst.
  • Mit dem es Dir Spaß macht, zu arbeiten.
  • Die eine ergonomische Passform haben, die sich Deiner Hand anschmiegt.
  • Gehärteter Chrom-Vanadium-Molybdän Stahl, der auch mal ein Abrutschen verzeiht.
  • Kein schnödes, rutschiges Plastik, sondern sandgestrahlte Griffe oder Gummi.

Meine Schraubendreher

wiha-schraubendreher-setKreuz Schraubendreher / PH 2 mit 200 mm Klinge
Kreuz Schraubendreher / PH 2 mit 100 mm Klinge
Kreuz Schraubendreher / PH 1 mit 80 mm Klinge
2x Sechskant Steckschlüssel / 5,0 mm Nuss
Schlitz Schraubendreher / 5,5 mit 125 mm Klinge
Kreuz Schraubendreher / PH 2 mit 25 mm Klinge
Schlitz Schraubendreher / 5,5 mit 25 mm Klinge

Der Feind!

Diese fünf Schrauben-Typen sind die Grundlage für mehr oder weniger alles, was im PC verschraubt werden kann:

schrauben-standard-ph21. Die „Standard-Schraube“ im PC. Wird für fast alles benutzt. Gehäusedeckel anschrauben, Mainboard in Abstandshülsen schrauben, Peripheriekarten ans Gehäuse schrauben, Netzteil verschrauben. Zu 90% hast Du es mit diesem Typ zu tun.
Besonderheit: Am Schraubenkopf ist ein Sechskant. Damit kannst Du die Schraube zur Not mit einer Zange lösen, wenn sie sich ‚festgefressen‘ hat. Leider ist der Sechskant in Zoll ausgeführt und Du benötigst eine Nuss zwischen 6,0 und 7,0 mm, die in keinem normalen Ratschenkasten liegt :/ Zum Glück brauchst Du den Sechskant aber so gut wie nie… Glaube dass ich in meiner Laufbahn rund fünf Mal die Zange benutzt hab.
Gewinde: Grob | Schraubendreher: Kreuz / PH 2

schrauben-hdd-ph22. Die „HDD-Schraube“ ist eine Abwandlung der ‚Standard-Schraube‘ mit flachem Kopf. Damit schraubt man Festplatten in Schlitten, die dann im Gehäuse einrasten. Würde vom Gewinde auch mit der Standard-Schraube gehen, allerdings sperrt sich dann der Schlitten, da der Kopf der Schraube zu weit vorsteht.
Gewinde: Grob | Schraubendreher: Kreuz / PH 2

schrauben-cdrom-ph13. Die „CD-ROM-Schraube“ ist wie eine HDD-Schraube, nur mit einem feinen Gewinde. Dieser Gewindetyp wird bei 5,25″ Laufwerken genutzt. Also ziemlich alle CD-/DVD-/BlueRay-Laufwerke werden damit verschraubt. Sehr selten kann es vorkommen, dass die Abstandshülsen für die Mainboardmontage auch mit feinem Gewinde ausgeführt sind. Ist aber unüblich.
Die „CD-ROM-Schraube“ ist eines der ganz seltenen Einsatzgebiete für den PH 1 Schraubendreher. Zur Not kann man das aber auch mit einem PH 2 machen. Da darf man nur nicht zu fest anziehen, sonst bricht das Kreuz im Schraubenkopf…
Gewinde: Fein | Schraubendreher: Kreuz / PH 1

schrauben-sechskant4. Sechskant-Schrauben mit Innengewinde. Die werden in den Gehäuseboden geschraubt und halten später das Mainboard. Dieses hat Verschraubungslöcher, durch die meistens eine ‚Standard-Schraube‘ getrieben wird und das Board dann fixiert. Gibt es neuerdings eigentlich nur noch in Messing – also goldgelb. Das Innengewinde ist meistens grob ausgeführt, kann aber in Ausnahmefällen auch fein sein. Da bitte bevor man die Teile ins Gehäuse schraubt einfach testweise mit der Hand eine grobe und eine feine Schraube reindrehen. Da merkst Du sofort, welche Sorte Du brauchst. Die falschen Schrauben nämlich später wieder aus dem Board rauszufummeln, wenn man das vorher nicht ausprobiert hat, ist eine sehr nerven zehrende Angelegenheit.
Bitte unbedingt beachten: Noch viel hässlicher ist, wenn man beim Reindrehen in den Gehäuseboden zu viel Kraft anwendet und die Schraube ‚abdreht‘. DAS dann wieder zu reparieren dauert je nach Schaden sehr lange und ist eventuell sogar irreparabel. Darum hab ich mir den „Pico-Finish“ Sechskant-Steckschlüssel besorgt, der am Griff recht dünn ist und ich deswegen gar nicht so viel Dampf auf das Gewinde bekomme…
Gewinde: Grob | Schraubendreher: Sechskant-Steckschlüssel / 5 mm Nuss

schrauben-selbstschneider5. Selbstscheider für die Lüftermontage. Diese Madenschrauben schneiden sich in das Plasikgehäuse der Lüfter ein eigenes Gewinde. Dazu muss man mitunter recht kräftig schrauben.
Durch den Einsatz von Lüfter-Käfigen, in die man die Lüfter „einklickst“ und diese dann wiederum ins Gehäuse einrastet, braucht man diese Schrauben nur noch selten.
Gewinde: Selbstschneider | Schraubendreher: Kreuz / PH 2

schrauben-diverseDiverse andere Schrauben, die in abgewandelter Form immer wieder vorkommen:
* Standardschraube in langer Ausführung – grobes Gewinde – PH 2.
* Die schwarze hält einen Lüfter auf einem Kühlkörper – selbstschneidend – PH 1.
* Eine „Rändelschraube“, die meistens den Gehäusedeckel hält – grobes Gewinde – PH 2 / Schlitz Kombination. Kann auch mit der Hand angezogen werden…

Schraubendreher im Einsatz

ph2-100-zu-kurzph2-200-passt

Hier der Grund, einen Kreuz-Schraubendreher mit einer Klingenlänge von 200 mm zu kaufen: Das Verschrauben des Mainboards im Gehäuse.
Mit der normalen 100 mm Klinge steht der Griff des Schraubendrehers nämlich auf dem Gehäuserand auf. Bei den Chieftec-Gehäusen sind die Ränder gewalzt und die Kanten geglättet. Bei billig-China-Gehäusen hingegen holt man sich regelmäßig an den scharfen Kanten eine blutende Hand :/ Beim langen Schraubendreher steht der Griff weit genug aus dem Gehäuse heraus, damit Du ohne Kontakt mit dem Gehäuse und damit ohne potentielle Verletzungen arbeiten kannst.

ph2-100-zu-langph2-25-passt

Genau anders herum ist es, wenn man hinten am PC etwas schrauben möchte. Da ist die 100 mm Klinge zu lang und man muss den PC drehen, um die Schrauben lösen zu können. Hier kommt der Stummel-Schraubendreher, der „Stubby“, mit einer Klingenlänge von nur 25 mm zum Einsatz. Damit kann man an unzugänglichen Stellen an der Rückseite schnell und einfach zum Beispiel Gehäuseschrauben lösen, ohne den PC dafür verschieben zu müssen.

schlitz-schraubendreher-pcschlitz-stubby-adapter

Schlitz-Schraubendreher sind beim PC-Bau eher die Exoten. Man braucht sie wirklich sehr selten. Allerdings sind oft Adapter auf der Rückseite des PCs zu verschrauben, wofür man meistens einen Schlitz-Schrauber benutzt. Verwegene Kühler-Konstruktionen können auch mitunter eine Schlitz-Schraube haben, statt der viel gebräuchlicheren Kreuz-Schlitz Variante.

gehaeuse-hintensechskant-steckschluessel

Wie schon bei den Schrauben besprochen, brauchst Du die Sechskant-Steckschlüssel ’nur‘ dafür, die Abstands-Hülsen in den Gehäuseboden zu schrauben. Links ist der Pico-, rechts der Soft-Finish. Beide erfüllen aber den selben Zweck.
Anstelle der Schrauber kann man die Schrauben auch mit den Fingern reindrehen und mit einer Zange anziehen. Allerdings ist die Gefahr des Abreissens der Schraube dabei extrem hoch, wenn Du nicht höllisch aufpasst…

Mein restliches Werkzeug

kabelbinder-und-zangenSehr praktisch und für jeden PC zu gebrauchen sind Kabelbinder. Damit hält man frei hängende Kabel von den Lüftern fern. Mittlerweile würde eine CPU automatisch gedrosselt und ein Alarm würde beim Stillstand des Prozessor-Lüfters ausgelöst. Früher bedeutete ein von einem Kabel blockierter CPU-Lüfter jedoch den Exitus der CPU. Sie starb den sicheren Hitzetod.
Wenn ein Netzteil kein Kabel-Management hat, binde ich die nicht benutzten Kabel zusammen, damit sie nicht ins Gehäuse hängen.
Auch die Luftströmung wird positiv beeinflusst, wenn die Kabel nicht kreuz und quer im Gehäuse herum hängen. Darum sind Kabelbinder essentiell nützlich.
Die Kabelbinder-Zangen sind hingegen eher ein Spleen von mir. Die brauchst Du definitiv nicht. Obwohl es schon sehr professionell wirkt :)

pinzetteAuch immer wieder gerne benutze ich eine gute (!) Pinzette. Entweder um einen Jumper zu setzen oder die lästigen Anschlüsse des Mainboards an die Gehäusestecker zu machen. Also Power-Schalter, Reset-Knopf, Power- und HDD-LED und den kleinen Lautsprecher, sofern das Gehäuse noch einen hat. Dafür leistet die Pinzette sehr gute Dienste und hält den Stress-Pegel niedrig, der sonst in ungeahnte Höhen steigt, wenn man die Teile mit den Fingern im viel zu engen Gehäuse draufpfriemeln möchte. Ganz zu schweigen, dass man sich bei einem Billig-Gehäuse hierbei wieder prächtig die Hand aufschneiden kann. Und wird :/

seitenschneiderMit dem Seitenschneider mache ich zumeist Kabelbinder auf, die entweder falsch gesetzt sind, oder für einen Umbau weg müssen. Ansonsten braucht man das Ding eher zum Schneiden von dünnen Netzwerk-Kabeln.

kombizangeDie Kombizange brauche ich eher beim Verlegen von Netzwerkkabeln, da sie ohne große Mühe sogar ein CAT-7 Kabel mit doppelter Schirmung und einzeln geschirmter Adernpaare durchgezwickt bekommt.
Beim PC-Bau kann sie bei verzogenen Gehäusen nützlich sein, wenn ein Stück Blech zur Seite gebogen werden muss. Auch bei festsitzenden Schrauben mit Sechskant-Kopf kann sie Wunder wirken. Und es kann generell nie schaden, eine gute Kombi-Zange im Haus zu haben :)

gekroepfte-zangeDie gekröpfte Zange benutze ich wie die Pinzette zum Setzen von unzugänglichen Jumpern oder Steckverbindern. Auch zum Trennen oder Anstecken der 5,25″ Stromanschlüsse und -verlängerungen kann sie sehr gute Dienste leisten.

Fazit

Mit den Schraubendrehern und dem anderen Werkzeug kommst Du insgesamt auf gute 100 Euro. Damit solltest Du in der Lage sein, 95% aller Aufgaben beim Hardwarebau von PCs lösen zu können.
Wenn Du gutes, wertiges Werkzeug kaufst, bleibt Dir das auch entsprechend lange erhalten. Du rutschst nicht so oft ab, es hat einen besseren „Grip“ und die Arbeit geht insgesamt leichter von der Hand. Bei den teilweise recht geringen Aufpreisen zu Billig-Baumarkt-Tools schon eine Überlegung wert!

Das war ein Überblick über die Werkzeuge, die wir in der kommenden Serie einsetzen werden, um damit den neuen PC zusammenzusetzen.
Ich hoffe, ich konnte Dir die verschiedenen Schrauben, Schrauber und Zangen näher bringen und freue mich, sie zusammen mit Dir in den nächsten Teilen einzusetzen :)

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2 Kommentare

  1. Von den Standarschrauben gibt es zwei Varianten, Grob- und Feingewinde. Beide Köpfe lassen sich mit einem PH2 schrauben, aber die Schlüsselweite ist unterschiedlich, Grobgewinde = 1/4 Zoll und Feingewinde = 13/64 Zoll. Man muss eben schauen welche Schrauben in die gelieferten Spacer passen, am häufigsten sind es aber die Schrauben mit dem groben Gewinde.

    Für arbeiten auf dem Mainboard verwende ich IMMER den Streckschlüssel. Die Gefahr, dass man abrutscht und mit der Klinge über die Platine kratzt, ist viel geringer.

    In meinem Werkzeugkoffer liegt auch ein kleiner, schwacher Teleskopmagnet. Damit lassen sich abtrünnige Schräubschen besser bergen als mit den Fingern, Spitzzange.oder Pinzette.

    1. Servus Horst,
      die Idee mit dem Teleskop-Magnet ist super! So einen werde ich mir auch zulegen.
      Bis jetzt habe ich vagabundierende Schrauben immer mit dem magnetisierten Schraubendreher rausgefischt, aber manchmal hüpfen die Biester in Ecken, wo man mit dem starren Metall nicht so wirklich hin kommt.
      Liebe Grüße, Peter.

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